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Verkehrsunfallbilanz 2025: Dramatischer Anstieg der Verletztenzahlen
Verkehrsunfallbilanz 2025: Dramatischer Anstieg der Verletztenzahlen - ADFC Hamm fordert Kurswechsel zur „Vision Zero“
Die aktuell vorgestellte Unfallstatistik für das Jahr 2025 zeichnet ein düsteres Bild für die Verkehrssicherheit in Hamm und ganz Nordrhein-Westfalen. Während die Landesunfallbilanz einen massiven Zuwachs bei den getöteten Radfahrer:innen verzeichnet, registriert Hamm einen überdurchschnittlichen Anstieg verletzter Zweiradfahrer:innen und Kinder. Der ADFC Hamm kritisiert zudem die tendenziöse Darstellung der Unfallschuld durch die Polizei.
Hamm liegt über dem Landestrend
Im vergangenen Jahr wurden in Hamm 257 Personen, die auf dem Fahrrad, Pedelec oder E-Scooter unterwegs waren, bei Unfällen verletzt – ein Anstieg von 23,0 % gegenüber 2024. Damit liegt Hamm deutlich über dem ohnehin besorgniserregenden Landestrend von NRW (+12,3 %). Besonders alarmierend ist die Situation bei den schwächsten Verkehrsteilnehmern: Die Zahl der verunglückten Kinder, die zu Fuß, mit dem Fahrrad oder E-Scooter am Verkehr teilgenommen haben, stieg um 70 % auf insgesamt 51.
„Diese Zahlen sind ein Weckruf, den Politik und Verwaltung nicht länger ignorieren dürfen“, erklärt der ADFC Hamm. „Hinter jeder Zahl steht ein Schicksal. Dass die Zahl der verletzten Kinder derart in die Höhe schnellt, ist inakzeptabel.“
E-Scooter-Unfälle: Drastischer Anstieg
Ein besonders besorgniserregender Teilbereich der Statistik betrifft die E-Scooter. Hier schnellte die Zahl der Unfälle von 47 im Vorjahr auf 81 im Jahr 2025 hoch – eine Steigerung um rund 72 %. Besonders schockierend ist die Entwicklung bei den jüngsten Verkehrsteilnehmern: Die Zahl der verletzten Kinder bei Scooter-Unfällen hat sich von 5 auf 15 verdreifacht. Dies ist umso kritischer zu bewerten, da die Nutzung von Elektrokleinstfahrzeugen gesetzlich erst ab 14 Jahren erlaubt ist.
Statistik-Check: Die „Schuldfrage“ wird verzerrt
Ein zentraler Kritikpunkt des ADFC gilt der polizeilichen Darstellung der Unfallverursacher. Laut Bilanz sollen Zweiradfahrer in 41,6 % der Fälle die Hauptschuld tragen. Der ADFC stellt klar: Diese Zahl ist irreführend.
Fast die Hälfte dieser Fälle (52 von 107) sind sogenannte Alleinunfälle – Stürze ohne Fremdeinwirkung. Rechnet man diese Stürze heraus, zeigt sich ein anderes Bild: Bei Kollisionen mit anderen Verkehrsteilnehmern (meist PKW) sind Radfahrende in fast drei von vier Fällen unschuldig. Hauptursachen für Zusammenstöße bleiben Vorfahrtsverstöße und Fehler beim Abbiegen seitens der Autofahrer:innen.
Dunkelziffer und statistische Lücken
Zwei tödliche Unfälle aus dem Jahr 2025 (Marker Allee und Herringen) werden in der Statistik nicht als Verkehrstote erfasst, da die Polizei einen direkten kausalen Zusammenhang mit dem Unfallgeschehen ausschließt.
Die 52 erfassten Alleinunfälle sind nur die Spitze des Eisbergs, denn gerade bei Alleinunfällen gibt es eine erhebliche Dunkelziffer. Schätzungen zufolge (z. B. von der Unfallforschung der Versicherer – UDV) tauchen bis zu 80–90 % der Alleinunfälle von Radfahrenden überhaupt nicht in der offiziellen Statistik auf, da keine Polizei gerufen wird.
Bei vielen Stürzen spielt die Infrastruktur eine große Rolle, beispielsweise enge Radwege, Wurzelaufbrüche oder Bordsteine. Aufgrund der hohen Dunkelziffer nicht erfasster Stürze werden Mängel in der Radinfrastruktur von der Verwaltung permanent unterschätzt. Ohne eine valide Datenbasis fehlt der Handlungsdruck, um gefährliche Stellen proaktiv zu entschärfen und die Verkehrssicherheit flächendeckend zu erhöhen.
Forderungen: Taten statt Lippenbekenntnisse
Um das Ziel der „Vision Zero“ – keine Getöteten und Schwerverletzten im Straßenverkehr – zu erreichen, fordert der ADFC Hamm:
- Infrastruktur-Offensive: Ein durchgängiges, sicheres Radwegenetz und die Entschärfung gefährlicher Kreuzungen.
- Tempo-Reduzierung: Bei Mischverkehr mit Fahrrädern aufgrund fehlender oder nicht benutzungspflichtiger Radwege ein geringeres Verkehrstempo.
- Konsequente Kontrollen: Die Polizei muss Überholabstände und Geschwindigkeiten verstärkt überwachen, um ungeschützte Verkehrsteilnehmer aktiv zu schützen.
„Die aktuelle Bilanz zeigt: Das bisherige Tempo beim Radwegeausbau reicht nicht aus. Wir brauchen eine Verkehrspolitik, die den Schutz von Menschenleben über den flüssigen Autoverkehr stellt“, so das Fazit des ADFC Hamm.

